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Bundespräsident Steinmeier ehrt Mitbegründerin des DNQP

Bundesverdienstkreuz für Doris Schiemann

|von Alena Kunter

Die ehemalige Professorin der Hochschule Osnabrück erhält die höchste staatliche Auszeichnung der Bundesrepublik für ihre Lebensleistung in der Pflegewissenschaft. Schiemann gilt als eine der zentralen Figuren bei der Akademisierung der Pflege in Deutschland.

Prof. Dr. Doris Schiemann
Quelle: Julia Brink Copyright: Hochschule Osnabrück

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Prof. Dr. Doris Schiemann das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter überreichte die Medaille und die Verleihungsurkunde bei einer Feierstunde im Osnabrücker Rathaus am 21. September 2026. Damit wird Schiemanns jahrzehntelanges Wirken für die Professionalisierung und wissenschaftliche Fundierung der Pflege gewürdigt.

Pötter betonte dabei, dass es Schiemann bei der Standardisierung von Pflege nie vorrangig um Effizienz oder Kostenreduktion gegangen sei, sondern um die Würde des Menschen. „Gute Pflege darf nicht an der Kassenlage scheitern“, fasste die Oberbürgermeisterin Schiemanns Haltung zusammen. Zudem dankte sie der Wissenschaftlerin für ihren langjährigen Einsatz als Mahnerin und Beraterin in bundesweiten Expertengremien sowie auf regionaler Ebene.

Erfahrungen in der Berufspraxis als Antrieb

Schiemann selbst schilderte, was sie einst motiviert hatte: Während ihrer Berufspraxis in der Universitätsmedizin Anfang der 1970er-Jahre sei sie erschüttert gewesen von teils menschenverachtenden Praktiken in der Gynäkologie, Geburtshilfe und Herzchirurgie. Die Pflege habe mit ihrem damaligen Bildungsstand dem wenig entgegensetzen können. Außer den Ärztinnen und Ärzten habe es keinen weiteren Gesundheitsberuf mit akademischer Qualifizierung gegeben – und damit auch keine interkollegiale Kontrolle in der Gesundheitsversorgung. Das sei ihr Antrieb gewesen.

Bei der Feierstunde ordnete Schiemann die Auszeichnung ein: Sie sehe sich stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule Osnabrück geehrt, die über drei Jahrzehnte hinweg gemeinsam mit ihr die Akademisierung und Professionalisierung der Pflege vorangebracht hätten.

Von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin zur Wegbereiterin erster Pflegestudiengänge

Bereits 1981 begann Schiemann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der damaligen Fachhochschule Osnabrück mit der curricularen Entwicklung des Faches Pflegewissenschaft. Sie erarbeitete Studienprogramme für „Pflegedienstleitung im Krankenhaus“, „Krankenpflegemanagement“ und „Pflegewissenschaft“. Hochschulpräsident Prof. Dr. Alexander Schmehmann hob hervor, dass Schiemann maßgeblich die Entwicklung und Umsetzung der bundesweit ersten Pflegestudiengänge an der Hochschule Osnabrück vorangetrieben habe. Von 1992 bis zu ihrer Emeritierung 2012 war sie dort als Professorin für Pflegewissenschaft tätig.

Gründung des DNQP und Entwicklung von Expertenstandards

1992 wurde Schiemann als deutsche Vertreterin in den Lenkungsausschuss des Europäischen Netzwerks für Qualitätssicherung in der Pflege (EuroQUAN) berufen. Im selben Jahr begann sie mit dem Aufbau des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) an der Hochschule Osnabrück und leitete es bis 2012.

Ende der 1990er-Jahre startete sie im DNQP mit der Entwicklung der ersten evidenzbasierten Expertenstandards – in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat und mit finanzieller Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums. Bis 2012 entstanden sieben Expertenstandards zu Themen mit besonders hohem Qualitätsrisiko in der Pflege, darunter Dekubitalgeschwüre, Stürze, Schmerzzustände und chronische Wunden. Das DNQP gilt bis heute als einer der wichtigsten Motoren für die Professionalisierung der Pflegepraxis in Deutschland.

Nationale und internationale Gremienarbeit

Neben ihrer Hochschultätigkeit war Schiemann in zahlreichen Gremien aktiv. Von 1999 bis 2002 gehörte sie dem Ethikrat des Bundesgesundheitsministeriums an. Von 2001 bis 2004 war sie Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK). Darüber hinaus arbeitete sie als Beraterin und Berichterstatterin für die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie als Kommissionsmitglied beim Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF).

Für ihre Verdienste war Schiemann bereits zuvor ausgezeichnet worden: 2005 erhielt sie die Agnes Karll Medaille des DBfK, 2007 den Deutschen Pflegepreis des Deutschen Pflegerats.


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