In der Asklepios Klinik Altona trainieren Schlaganfall-Patienten den Supermarkt-Einkauf in einem nachgebauten Discounter. Der Markt steht mitten auf Station – mit Holzkasse, unechtem Obst und ohne echte Kundschaft.
Trainings-Supermarkt auf Neurologie-Station
Wer derzeit das neu eröffnete Ambulante Neurologische Therapiezentrum der Asklepios Klinik Altona betritt, stößt auf ein beleuchtetes Penny-Schild. Dahinter verbirgt sich allerdings kein regulärer Supermarkt: Dies ist ein Trainingsmarkt, in dem Patienten nach schweren neurologischen Erkrankungen alltägliche Abläufe wie das Einkaufen neu erlernen sollen. Umsatz wird hier keiner gemacht, die Waren sind Attrappen, die Kasse samt Laufband ist aus Holz gefertigt.
Chefarzt Privatdozent Dr. Robert Schulz begründet das Konzept so: „Teilhabe ist ein immens wichtiger Schritt für die Genesung und das Wohlbefinden der Patienten.“ Einkaufen sei „ein Puzzleteil zur Selbstständigkeit“. Ein vergleichbares Angebot, das kognitive Bewegungsabläufe derart alltagsnah trainierbar mache, gebe es in Deutschland laut Asklepios bisher nur selten.
Vom Regalgriff bis zum Bezahlen: Was genau trainiert wird
Der nachgebaute Discounter zielt auf eine Vielzahl körperlicher, kognitiver und kommunikativer Fähigkeiten ab. Konkret üben die Patienten unter anderem, Waren aus Regalen zu nehmen, Kühlschranktüren offen zu halten, während sie Produkte entnehmen, Ware aufs Band zu legen und Geld aus der Geldbörse zu holen. Darüber hinaus werden Orientierung im Raum, vorausschauendes Planen von Abläufen, Gleichgewicht, Koordination, Greifbewegungen und Gedächtnisleistung geschult.
Entscheidend sei dabei das geschützte Umfeld, erläutert Schulz: Patienten könnten ohne realen Zeitdruck und ohne das Unwohlsein trainieren, das entstehe, wenn andere Einkaufende zuschauen oder ungeduldig reagieren. Das spielerische Lernen mit direkt erkennbarem Nutzen steigere zudem die Motivation.
Fünf Regale, eine Holzkasse und bewusst kleine Dimensionen
Die Ausstattung des Trainingsmarktes umfasst fünf Regale mit insgesamt knapp sieben Metern Länge, ein Brotregal, ein Zeitungsregal, eine kleine Tiefkühltruhe sowie einen Getränkekühlschrank. Einkaufswagen, Körbe und verschiedene Tüten stehen bereit, damit sich der Ablauf möglichst realistisch anfühlt. Das Setting sei bewusst übersichtlich dimensioniert, so Asklepios – was im Kleinen funktioniere, lasse sich anschließend auf einen großen Markt übertragen.