Der Deutsche Pflegerat kritisiert seinen Ausschluss aus der Pflegestrukturkommission und legt ein Positionspapier mit sechs Schwerpunkten vor – von der Ausgabenbewertung über Pflegegrade und Entlastungsbetrag bis hin zu Community Health Nursing und Personalbemessung. Besonders deutlich warnt der Dachverband vor den Plänen des Pflegeneuordnungsgesetzes und kündigt für den 11. November 2026 eine Demonstration vor dem Kanzleramt an.
DPR verlangt Mitsprache und legt Sechs-Punkte-Papier vor
Pflege soll mit am Tisch sitzen
Die Pflegestrukturkommission soll bis Ende Januar 2027 Vorschläge für eine zukunftsfeste Pflegeversicherung erarbeiten. Der Deutsche Pflegerat kritisiert jedoch, dass die Pflegeberufe nicht direkt in dem Gremium vertreten sind. Obwohl der DPR als maßgebliche Organisation der Pflegeberufe auf Bundesebene anerkannt ist, habe er keinen Sitz in der Kommission. Der Verband fordert deshalb verbindliche Beteiligungs- und Anhörungsverfahren während des gesamten Reformprozesses.
„Wer die Versorgung verbessern und ihre Finanzierung sichern will, muss die Profession Pflege von Beginn an beteiligen. Ihre Kompetenzen, ihre Verantwortung und ihr Wissen gehören in die Reform. Pflege ist nicht nur Teil der Versorgung. Sie ist Teil der Lösung.“ DPR-Präsidentin Christine Vogler.
Versorgung statt Kostendebatte
In seinem Positionspapier spricht sich der DPR dafür aus, Reformen am tatsächlichen Versorgungsbedarf auszurichten. Die Ausgaben der Pflegeversicherung dürften nicht isoliert betrachtet werden. Berücksichtigt werden müssten auch Versorgungsqualität, Personalbedarf und mögliche Folgekosten für andere Sozialleistungssysteme.
Zugleich warnt der Verband vor geplanten Änderungen im Pflegeneuordnungsgesetz. Höhere Hürden bei den Pflegegraden 1 bis 3 sowie der mögliche Wegfall des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1 könnten nach Einschätzung des DPR den Zugang zu Leistungen erschweren.
Mehr Pflegekompetenz, bessere Rahmenbedingungen
Der Verband fordert außerdem eine stärkere Nutzung pflegerischer Kompetenzen, den Ausbau von Community Health Nursing (CHN) und Advanced Practice Nursing (APN) sowie eine verlässliche Personalbemessung in der Langzeitpflege. Personalvorgaben müssten sich am tatsächlichen Bedarf orientieren und tarifliche Personalkosten vollständig refinanziert werden.
Weitere Schwerpunkte sind die Stärkung der ambulanten Versorgung, die Förderung von Prävention und Rehabilitation sowie eine praxisgerechte Digitalisierung. Digitale Lösungen könnten die Versorgung unterstützen, dürften jedoch kein Ersatz für Pflegepersonal sein.
Demonstration angekündigt
Zur Finanzierung schlägt der DPR unter anderem vor, die medizinische Behandlungspflege in stationären Einrichtungen über die Krankenversicherung zu finanzieren. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat der Verband für den 11. November 2026 eine Demonstration vor dem Bundeskanzleramt in Berlin angekündigt.