Start » Alle Beiträge » Weniger Alkohol, gleich viele Abstürze
Drogenaffinitätsstudie 2025 veröffentlicht

Weniger Alkohol, gleich viele Abstürze

|von Simone Schwarz

Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland trinken seltener Alkohol als noch vor einigen Jahren. Trotzdem bleibt das Rauschtrinken insbesondere bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern weit verbreitet. Das zeigt die aktuelle Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit.

Bier anstoßen
© minastefanovic - stock.adobe.com

Der Alkoholkonsum junger Menschen in Deutschland geht seit Jahren zurück. Laut der Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) greifen sowohl Jugendliche als auch junge Erwachsene immer seltener zu alkoholischen Getränken.

Deutlich wird dieser Trend bereits beim ersten Kontakt mit Alkohol: Während im Jahr 2001 noch mehr als 85 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal Alkohol getrunken hatten, liegt dieser Anteil heute nur noch bei rund 60 Prozent. Gleichzeitig hat sich das durchschnittliche Einstiegsalter erhöht. Erstmalig Alkohol konsumieren Jugendliche heute im Schnitt mit 15,1 Jahren statt mit 14,1 Jahren wie noch im Jahr 2004.

Alkoholkonsum auf historischem Tiefstand 

Auch der regelmäßige Alkoholkonsum nimmt weiter ab. Innerhalb der vergangenen 30 Tage vor der Befragung hatten 2025 nur noch knapp ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen Alkohol getrunken. Anfang der 2000er-Jahre lag dieser Anteil noch deutlich höher.

Bei den 18- bis 25-Jährigen zeigt sich derselbe Trend: Zwar trinkt die Mehrheit weiterhin Alkohol, doch auch hier sind die Werte seit Jahren rückläufig. Besonders erfreulich aus Sicht der Gesundheitsprävention: Der wöchentliche Alkoholkonsum hat in beiden Altersgruppen historische Tiefststände erreicht. Nur 6,8 Prozent der Jugendlichen und 25 Prozent der jungen Erwachsenen trinken noch mindestens einmal pro Woche Alkohol.

Ausnahme Rauschtrinken

Weniger positiv entwickeln sich die Zahlen beim sogenannten Rauschtrinken. Darunter wird der Konsum größerer Alkoholmengen innerhalb kurzer Zeit verstanden. Rund 15 Prozent der Jugendlichen gaben an, in den 30 Tagen vor der Befragung mindestens einmal einen Alkoholrausch erlebt zu haben. Damit liegt das Niveau wieder ähnlich hoch wie vor der Corona-Pandemie.

Besonders auffällig: Bei jungen Männern zwischen 18 und 25 Jahren bleibt Rauschtrinken weiterhin stark verbreitet. Fast jeder Zweite (45,8 Prozent) berichtete von entsprechenden Episoden. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich dieser Wert kaum verändert.

Anders ist die Entwicklung bei jungen Frauen, hier verzeichnet die Studie zwischen 2023 und 2025 einen deutlichen Rückgang. Der Anteil der 18- bis 25-Jährigen mit Rauschtrinkerfahrungen sank auf 26,1 Prozent. In den Jahren vor der Pandemie lagen die Werte meist bei mindestens 30 Prozent.

Die Studienautoren sehen darin einen wichtigen Hinweis darauf, dass Präventionsmaßnahmen bei jungen Frauen zunehmend Wirkung zeigen könnten.

Entwicklungsrisiken für Jugendliche

Fachleute weisen darauf hin, dass exzessiver Alkoholkonsum gerade im Jugend- und jungen Erwachsenenalter erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann. Da sich Gehirn und Körper bis in die frühen Zwanzigerjahre hinein weiterentwickeln, kann Alkohol wichtige Reifungsprozesse beeinträchtigen. Zudem steigt das Risiko für Unfälle, Verletzungen und riskantes Verhalten.

Die aktuellen Daten zeigen damit ein gemischtes Bild: Zwar trinken junge Menschen insgesamt weniger Alkohol und beginnen später mit dem Konsum. Gleichzeitig bleibt das Rauschtrinken, insbesondere bei jungen Männern, eine Herausforderung für Prävention und Gesundheitsförderung.

Machen Sie mit bei Aktion „Oktober ohne Alkohol“
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit ruft zur Teilnahme am „Oktober ohne Alkohol“ auf: Ziel ist es, den eigenen Alkoholkonsum zu reflektieren, neue Gewohnheiten auszuprobieren und die positiven Effekte einer Alkoholpause – etwa auf Schlaf, Wohlbefinden oder Leistungsfähigkeit – selbst zu erleben. 
Mit praktischen Tipps motiviert und unterstützt das BIÖG dabei, den Verzicht im Alltag erfolgreich umzusetzen: www.kenn-dein-limit.de/oktober


Mehr zum Thema