Der DigitalPakt Schule ist an den Pflegeschulen angekommen – doch wohin floss das Geld tatsächlich? Eine aktuelle BIBB-Studie zeigt, dass pflegespezifische Technik, tragfähige Umsetzungspläne und passende Lehrendenfortbildungen vielerorts auf der Strecke bleiben. Die Forschenden formulieren klare Empfehlungen für den DigitalPakt 2.0.
Zwischen Smartboard und Skills Lab: Wo Pflegeschulen bei der Digitalisierung stehen
Fast alle Pflegeschulen in Deutschland haben vom DigitalPakt Schule profitiert. Dennoch zeigt eine aktuelle BIBB-Studie deutliche Unterschiede bei der Nutzung der Fördermittel. Obwohl pro Schule durchschnittlich rund 74.000 Euro bewilligt wurden, floss ein Großteil der Mittel in digitale Grundausstattung wie Smartboards und Präsentationstechnik. Pflegespezifische Lerntechnologien spielten dagegen eine deutlich geringere Rolle.
Das geht aus dem Abschlussbericht „Pflegeausbildung in der digitalen Transformation“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Für das Projekt DibAP (Digitalisierungsprozesse der beruflichen Ausbildung in den Pflegeschulen 2021 bis 2024) befragten Forschende der Westfälischen Hochschule und der Universität Osnabrück insgesamt 623 Pflegeschulen. Außerdem führten sie 20 Interviews und zehn Fokusgruppen durch.
Wofür Fördergelder genutzt werden
Laut Befragung 2024 haben nur 6,1 Prozent der Schulen keinen Antrag gestellt. Die große Mehrheit der Pflegeschulen hat Mittel aus dem DigitalPakt Schule erhalten, im Schnitt wurden rund 74.000 Euro pro Schule bewilligt. Schulen mit Krankenhausanbindung erhielten häufiger eine Bewilligung als Schulen ohne (76,5 gegenüber 57,9 Prozent).
Während Smartboards und digitale Präsentationstechnik vielerorts Einzug hielten, blieben pflegespezifische Lerntechnologien häufig außen vor. 73,5 Prozent der Schulen setzten DigitalPakt-Mittel für Anzeige- und Interaktionsgeräte ein. Dagegen finanzierten nur 32 Prozent der Schulen digitale Pflegepuppen und 18,7 Prozent Skills-Lab-Ausstattung über den DigitalPakt. Nach Einschätzung der Forschenden eignen sich diese Technologien besonders, um pflegerische Handlungskompetenzen praxisnah zu trainieren. Viele Schulen würden daher gern stärker in Skills Labs oder VR-Anwendungen investieren, scheitern aber an knappen Budgets und hohen Kosten. Zudem konnten Fortbildungen für Lehrende zum digitalen Unterrichten nicht über den DigitalPakt finanziert werden.
Den Nutzen der Technik sehen die Schulen vor allem beim selbstgesteuerten Lernen und im Distanzunterricht. Für die Vorbereitung auf den Erstkontakt mit Patientinnen und Patienten halten ihn 59,4 Prozent für gering oder eher gering. Soziale Kompetenzen ließen sich nur im Kontakt mit Menschen entwickeln, sagen Lehrende in den Interviews.
Konzepte ohne Umsetzungsplan
79,4 Prozent der Schulen haben ein Digitalisierungskonzept, einen Implementierungsplan aber nur 25,9 Prozent. Lehrende berichten von unklaren Zuständigkeiten, fehlender Beteiligung und schwer erreichbarem Support. Fortbildungen mit Pflegebezug sind rar. Nur 36,5 Prozent der Schulen verfügen über ein Fort- und Weiterbildungskonzept für digitale Kompetenzen. Auch die Auszubildenden bringen weniger Digitalkompetenz mit als erwartet.
Eine Clusteranalyse teilt die Schulen in zwei etwa gleich große Gruppen mit stärker und schwächer ausgeprägtem Digitalisierungsprofil. Entscheidend sind Konzept, Fortbildungsbeteiligung und Infrastruktur, nicht Trägerschaft, Größe oder Bundesland.
Empfehlungen für den DigitalPakt 2.0
Für den geplanten DigitalPakt Schule 2.0 empfehlen die Forschenden einfachere Anträge mit Kurzberichten zur Mittelverwendung, Kataloge pflegespezifischer Lerntechnologien und lernortübergreifende Kompetenzzentren. Hinzu kommen Instrumente zum Monitoring und zur Selbstbewertung von Pflegeschulen.
Zudem fordern sie einheitliche Fortbildungsstandards für Lehrende und prüfenswerte Mindestanforderungen an die Fortbildung von Schulleitungen. Digitalisierung dürfe nicht zur „Modernisierungsfassade“ werden, hinter der die Pädagogik zurücktritt.