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Analyse der Bertelsmann Stiftung

Angehörigenpflege wird zur Belastungsprobe

|von Alena Kunter

Pflegende Angehörige sichern einen großen Teil der Versorgung in Deutschland. Doch mit dem steigenden Pflegebedarf wächst auch der Druck auf Beschäftigte, Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren. Eine aktuelle Analyse prognostiziert, dass bis 2045 rechnerisch bis zu 229.000 Vollzeitstellen verloren gehen könnten, wenn pflegende Angehörige nicht stärker unterstützt werden.

Ältere Frau am Laptop
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Die meisten pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause versorgt. Von rund sechs Millionen Pflegebedürftigen erhalten etwa drei Viertel Unterstützung durch Angehörige. Damit sind Familienmitglieder eine tragende Säule der pflegerischen Versorgung. Schon heute übernehmen rund 4,6 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter Pflegeaufgaben für Angehörige. Das entspricht 8,7 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter. Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung und der Prognos AG könnte dieser Anteil bis 2045 auf 13,3 Prozent steigen.

Wenn Pflege und Beruf kollidieren

Die Pflege eines Angehörigen lässt sich häufig nur schwer mit einer Berufstätigkeit vereinbaren. Viele Betroffene reduzieren ihre Arbeitszeit oder steigen zeitweise ganz aus dem Erwerbsleben aus. Dadurch geht dem Arbeitsmarkt Arbeitskraft verloren.

Für das Jahr 2026 beziffert die Analyse diesen Verlust auf rund 184.000 Vollzeitäquivalente. Bis zum Jahr 2045 könnte dieser Wert auf 229.000 steigen, was einem Zuwachs von knapp 25 Prozent entsprechen würde. Und dass, in einer Zeit, in der viele Branchen sowieso bereits unter Fachkräftemangel leiden.

Frauen besonders betroffen

Aktuell übernehmen Frauen den Großteil der Angehörigenpflege – ihr Anteil liegt bei 63 Prozent. Zudem investieren sie durchschnittlich mehr Zeit in die Pflege als Männer und reduzieren ihre Erwerbstätigkeit häufiger, wenn Pflegeaufgaben hinzukommen.

Setzen sich diese Muster fort, könnten im Jahr 2045 rund 580.000 Frauen ihre Erwerbstätigkeit pflegebedingt einschränken oder ganz aufgeben. Dies entspräche etwa drei Vierteln des gesamten prognostizierten Erwerbsausfalls.

Pflegende Angehörige sind ein unverzichtbarer Teil der Versorgung

Für die Pflegepraxis macht die Analyse deutlich, wie abhängig das deutsche Versorgungssystem von pflegenden Angehörigen ist. Ohne ihr Engagement wäre die Versorgung zahlreicher pflegebedürftiger Menschen kaum sicherzustellen. Angehörige übernehmen oft auch komplexe pflegerische Aufgaben, koordinieren Arzttermine, organisieren Hilfsmittel und begleiten Betroffene über viele Jahre.

Mehr Unterstützung notwendig

Nach Ansicht der Studienautoren und – Autorinnen braucht es bessere Rahmenbedingungen, damit sich Beruf und Pflege vereinbaren lassen. Dazu gehören der Ausbau von Tages- und Kurzzeitpflegeangeboten, finanzielle Unterstützungsleistungen sowie flexible Arbeitszeitmodelle. Auch Homeoffice-Möglichkeiten und Angebote zum beruflichen Wiedereinstieg können pflegende Beschäftigte entlasten.

Die Sicherung der pflegerischen Versorgung ist nicht allein eine Aufgabe professioneller Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste. Angehörige bleiben auch künftig die wichtigste Stütze der häuslichen Pflege. Damit diese Rolle dauerhaft übernommen werden kann, benötigen sie verlässliche Unterstützung durch Politik, Arbeitgeber und das Gesundheitswesen. Andernfalls drohen nicht nur Belastungen für die Betroffenen selbst, sondern auch Folgen für Arbeitsmarkt und Versorgungssystem.


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