Negative Erwartungen und frühere Schmerzerfahrungen können Bauchschmerzen besonders stark verstärken. Eine Studie zeigt, warum die Kommunikation von Pflegefachpersonen beim Umgang mit viszeralen Schmerzen eine zentrale Rolle spielt.
Ausgeprägte Nocebo-Effekte bei Bauchschmerzen
Negative Erwartungen, angstauslösende Formulierungen oder frühere schlechte Behandlungserfahrungen können viszerale Schmerzen messbar verstärken – stärker als Schmerzen an der Körperoberfläche, etwa an Haut oder Muskeln. Dies ergab eine experimentelle Studie aus Essen.
Bei 101 gesunden Probanden wurden gezielt negative Erwartungen erzeugt. Untersucht wurde deren Wirkung auf das Erleben von Darmsignalen, also viszeralem Schmerz, im Vergleich zu somatischem Hitzeschmerz auf der Haut. Zusätzlich prüften die Forschenden, wie frühere Schmerzerfahrungen die Wahrnehmung beeinflussen.
Frühere Schmerzen können langfristig sensibilisieren
Das Ergebnis: Negative Erwartungen verstärken viszerale Schmerzen deutlich stärker als somatische Schmerzen. Zudem können frühere Schmerzen aus anderen Körperregionen – etwa Rücken- oder Operationsschmerzen – das Schmerzsystem langfristig „sensibilisieren“ und spätere Bauchschmerzen intensivieren.
Bedeutung für die Pflegepraxis
Für die Pflegepraxis bedeutet das: Sprache, Haltung und nonverbale Signale haben einen messbaren Einfluss auf das Schmerzerleben. Viele Patienten mit chronischen Bauchschmerzen oder Reizdarmsyndrom haben eine lange Leidensgeschichte und entsprechend negative Erwartungshaltungen. Diese begünstigen Nocebo-Effekte zusätzlich.
Darm-Hirn-Achse als Schlüsselfaktor
Eine zentrale Rolle spielt die Darm-Hirn-Achse, das bidirektionale Kommunikationssystem zwischen Gehirn und Verdauungstrakt. Sie wird über Nervenbahnen, unter anderem den Vagusnerv, Hormone und Botenstoffe vermittelt. Stress, Angst und Anspannung verstärken die Störung dieser Achse und erhöhen die Schmerzempfindlichkeit.
Erwartungssensibel kommunizieren
Pflegefachpersonen können aktiv gegensteuern, indem sie erwartungssensibel kommunizieren. Statt „Das wird schmerzhaft“ sollten sie empathische, realistische und stärkende Aussagen formulieren, etwa: „Wir begleiten Sie dabei“ oder „Viele empfinden das als gut aushaltbar“.