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Sechs Handlungsfelder gegen politischen Stillstand

Krebsprävention: Höhere Tabak- und Alkoholsteuern gefordert

|von Alena Kunter

Vier von zehn Krebserkrankungen in Deutschland gelten als vermeidbar – doch das vorhandene Wissen wird bislang kaum in politisches Handeln übersetzt.

Zigarette gebrochen
© Kirsten Oborny

Ein neuer Ergebnisbericht von Deutscher Krebshilfe und DKFZ benennt sechs zentrale Handlungsfelder und fordert unter anderem höhere Tabak- und Alkoholsteuern sowie eine bundesweite „Präventionsdekade“.

Das Wissen über wirksame Krebsprävention sei so umfangreich wie nie zuvor, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Organisationen. Es fehle jedoch an der konsequenten Umsetzung. Der im Sommer veröffentlichte Ergebnisbericht des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels, erarbeitet von rund 50 Fachleuten aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft, formuliert daher Handlungsempfehlungen in sechs zentralen Feldern.

Sechs Handlungsfelder

Die Empfehlungen umfassen unter anderem folgende Punkte: Prävention soll politisch ressortübergreifend verankert werden, statt wie bisher vor allem im Gesundheitsressort angesiedelt zu sein. Erfolgreiche Modellprojekte sollen nicht länger regional begrenzt bleiben, sondern bundesweit skaliert werden. Schulen sollen als Orte der Prävention stärker in den Fokus rücken. Zudem müssten lokale Präventionsstrukturen ausgebaut und der volkswirtschaftliche Nutzen von Prävention systematisch sichtbar gemacht werden.

Besonderes Gewicht legen die Fachleute auf die sogenannte Verhältnisprävention, also auf strukturelle Rahmenbedingungen, die gesundheitsbewusstes Verhalten erleichtern. Hier sehen sie erheblichen Nachholbedarf. Tabak und Alkohol werden in Deutschland laut dem Bericht deutlich geringer besteuert als in anderen europäischen Ländern, in denen sich höhere Abgaben als Lenkungsinstrument bereits bewährt haben.

Tabakkosten von 30 Milliarden Euro jährlich

Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit: Allein Tabakkonsum verursacht laut dem Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Prof. Hendrik Streeck, Kosten von 30 Milliarden Euro pro Jahr im Gesundheitswesen. Er fordert, diese Kosten über Steuererhöhungen auf Rauchende umzulegen. Dass vier von zehn Krebserkrankungen durch kluge Vorbeugung verhindert werden könnten, sieht er als Verpflichtung zum Handeln.

Auch auf parlamentarischer Ebene bewegt sich etwas: Ende Juni 2026 wurde ein fraktionsübergreifender „Parlamentskreis Prävention“ gegründet, kurz darauf startete das Bundesgesundheitsministerium eine eigene Präventionsoffensive. Die Deutsche Krebshilfe begrüßt diese Schritte, mahnt aber Verbindlichkeit an. „Jetzt braucht es den politischen Willen, Prävention konsequent und langfristig zu stärken“, so Krebshilfe-Präsidentin Prof. Rita Schmutzler.

Prävention statt Kostenexplosion

Wer in Prävention investiert, senkt laut DKFZ-Vorstandschef Prof. Michael Baumann nicht nur das Risiko für Krebs und andere nichtübertragbare Krankheiten, sondern entlastet langfristig auch das Gesundheitswesen und die sozialen Sicherungssysteme. Angesichts explodierender Kosten im Gesundheitssystem sei gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Prävention zu stärken. Baumann fordert eine „Präventionsdekade“ – ein systematisches, wissenschaftlich begleitetes Programm, das Präventionskonzepte weiterentwickelt und in die Praxis überführt.


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