Cochrane-Review: Qualifizierte Pflegefachpersonen können bestimmte ärztliche Aufgaben im Krankenhaus übernehmen, ohne dass sich die Sterblichkeitsrate der Patientinnen und Patienten verändert.
Pflege kann mehr
Qualifizierte Pflegefachpersonen können bestimmte ärztliche Aufgaben im Krankenhaus übernehmen, ohne dass sich die Sterblichkeitsrate der Patientinnen und Patienten verändert. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Cochrane-Review, für den ein Forschungsteam 82 Studien ausgewertet hat. Die meisten Untersuchungen stammen aus dem Vereinigten Königreich; Studien aus Deutschland waren nicht eingeschlossen.
Kaum Unterschiede bei Sterblichkeit, Sicherheit und Lebensqualität
Auch für die Patientensicherheit fanden die Autorinnen nur geringe oder keine Unterschiede. Einige klinische Endpunkte wie bei Diabetes oder Ekzemen entwickeln sich möglicherweise sogar leicht günstiger. Für Lebensqualität und Selbstwirksamkeit der Patientinnen zeigen sich ebenfalls kaum Unterschiede zwischen ärztlicher und pflegerischer Versorgung. Einzelne Studien berichten jedoch von Vorteilen bei Prozessmerkmalen.
Vorteile bei Prozessen und Medikamentenmanagement
Pflegefachpersonen beurteilten Befunde teilweise genauer, hielten Praxisempfehlungen häufiger ein oder verbesserten Aspekte des Medikamentenmanagements. Einige Untersuchungen deuten außerdem auf weniger sicherheitsrelevante Ereignisse hin, wenn speziell weitergebildete Pflegefachpersonen ärztliche Aufgaben übernehmen.
Begrenzte Übertragbarkeit auf das deutsche Gesundheitssystem
Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Deutschland bleibt jedoch begrenzt. International verfügen Pflegefachpersonen häufiger über akademische Qualifikationen. Zwar erweitert das 2026 eingeführte Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege den Handlungsspielraum der Profession. Eigenverantwortliche Versorgungsmodelle stehen hierzulande jedoch noch am Anfang. Vor dem Hintergrund der geplanten Primärversorgungsreform könnte die Neuverteilung von Aufgaben zwischen Gesundheitsberufen künftig stärker in den Fokus rücken.