Eine aktuelle japanische Kohortenstudie mit über 31.000 berufstätigen Schwangeren legt nahe, dass Nachtschichten während der Schwangerschaft mit auffälligen Ergebnissen im Entwicklungsscreening vierjähriger Kinder einhergehen – besonders deutlich im Bereich der Feinmotorik. Auch eine ungewöhnlich lange mütterliche Schlafdauer zeigte sich in einer explorativen Analyse als Risikomarker, dessen Bedeutung die Forschenden allerdings differenziert einordnen.
Nachtschichten in der Schwangerschaft mit auffälligem Entwicklungsscreening bei Kindern
Frauen, die während der Schwangerschaft regelmäßig Nachtschichten arbeiteten, hatten in einer japanischen Kohortenstudie häufiger Kinder mit Auffälligkeiten in der neuroentwicklungsbezogenen Früherkennung im Alter von vier Jahren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Occupational & Environmental Medicine veröffentlicht.
Für die Analyse werteten Forschende Daten von 31.528 berufstätigen Schwangeren aus der japanischen „Japan Environment and Children’s Study“ aus. Die kindliche Entwicklung wurde im Alter von vier Jahren mithilfe eines standardisierten Screening-Instruments untersucht, das die Bereiche Kommunikation, Grob- und Feinmotorik, Problemlösung sowie sozial-emotionale Kompetenzen erfasst.
Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen mütterlicher Nachtarbeit und Einschränkungen der Feinmotorik. Bei Frauen, die während der gesamten Beobachtungszeit nachts arbeiteten, zeigte sich zudem ein erhöhtes Risiko für Auffälligkeiten in der Kommunikation und im sozialen Verhalten ihrer Kinder.
Im Detail war bei fortgesetzter Nachtarbeit während der Schwangerschaft das Risiko für Auffälligkeiten in der Kommunikation um 29 Prozent, bei der Feinmotorik um 34 Prozent und im sozial-emotionalen Bereich um 31 Prozent erhöht. Die stärkste und konsistenteste Assoziation zeigte sich bei den feinmotorischen Fähigkeiten. Die Forschenden betonen jedoch, dass die absoluten Risiken insgesamt niedrig blieben und die Ergebnisse keinen Rückschluss auf Entwicklungsstörungen bei einzelnen Kindern erlauben.
Eine ergänzende Analyse deutete außerdem darauf hin, dass eine nächtliche Schlafdauer von zehn Stunden oder mehr während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Entwicklungsauffälligkeiten der Kinder verbunden sein könnte. Die Autorinnen und Autoren weisen jedoch darauf hin, dass lange Schlafzeiten möglicherweise eher ein Hinweis auf andere Belastungsfaktoren wie Erschöpfung, Entzündungsprozesse, Anämie oder depressive Symptome sind.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein ursächlicher Zusammenhang nachweisen. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf mögliche Auswirkungen von Nachtarbeit in der Schwangerschaft auf die kindliche Entwicklung. Ob tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang besteht, muss in weiteren Studien geklärt werden.